Wann f├Ąllt die Mauer?

Ich betrete einen Laden in dem es viele Lebensmittel gibt, ohne Preisschild, ich muss nur einen kleinen Eintrittspreis bezahlen, und darf mir daf├╝r etwas zu essen mitnehmen, da ich eine ÔÇ×Bed├╝rftige PersonÔÇť bin. Beim anschauen der ganzen Produkte f├Ąllt mir auf, das dort viele Markenwaren liegen, die teure Butter und der K├Ąse aus der Werbung, den ich mir nie leisten konnte.
Dann schaue ich genauer hin, und stelle fest, diese Waren sind unverk├Ąuflich da sie nicht mehr frisch sind, es sind Waren die in den Superm├Ąrkten ├╝brig geblieben sind, und anstelle im M├╝ll zu landen, darf ich und viele andere die nun essen.
Es liegen auch S├╝├čigkeiten rum, Schokoladeneier von Ostern, schade zwar das nun bald Weihnachten ist, aber den armen Kindern macht das ja sicher nichts aus, die sind ohnehin so ungebildet das sie keine christlichen Feste kennen, die freuen sich ├╝ber alles, und wenn ihnen schlecht davon wird, dann durften sich die Eltern ja das Geld f├╝r die S├╝├čigkeiten einsparen, und haben daher das Geld f├╝r die Medikamente ├╝brig ÔÇŽ.

Dieser wunderbare Laden mit dem reichhaltigen Angebot nennt sich die Tafel, diese sammelt das ├╝brig gebliebene Essen der Superm├Ąrkte ein und verteilt es an die armen Menschen. Eine gute Tat die hier ausge├╝bt wird, mit dem Hintergrund das sich die Superm├Ąrkte die Entsorgungskosten sparen k├Ânnen, das die Regierung behaupten kann, es w├╝rde allen gut gehen und dadurch die Armut verdeckt werden kann.
In den Superm├Ąrkten d├╝rfen die Tafeln ├Âfter Aktionen veranstalten um auf sich aufmerksam zu machen, z.b. 2 f├╝r 1, Kunden kaufen 2 Produkte und spenden eines davon der Tafel, der Supermarkt kassiert nat├╝rlich das Geld f├╝r beide Produkte ein, oder Werbungen auf 2 Euro M├╝nzen, die durch Ein Euro Jobber mit einem Aufkleber versehen werden, um darauf hinzuweisen, das mit 2 Euro ein Mensch satt gemacht werden kann, und damit zu Spenden aufzurufen.
Aber au├čer den gro├čen Superm├Ąrkten, gibt es auch kleinere Gesch├Ąfte, die einfach Waren spenden m├Âchten, die sie sogar teilweise extra daf├╝r herstellen, wie auch Privatpersonen, die dort was abgeben, um anderen Menschen zu helfen.
Es sind also alles Waren aus der freien Wirtschaft die von Mitarbeitern der Tafeln in den Gesch├Ąften abgeholt werden, die Tafeln sind privat bzw. ├╝ber die Kirchen organisiert, und der Staat hat mit der Organisation und den Waren nichts zu tun.
Bei den Tafeln arbeiten viele Ehrenamtliche, vor allem alte Damen deren Rente nicht ausreicht und die daher selbst bed├╝rftig sind. Es arbeiten dort Ein Euro Jobber f├╝r die an die Tr├Ąger, welche meistens die Kirchen sind Geld bezahlt wird.
Die Kirchen predigen N├Ąchstenliebe und wahrscheinlich handeln die kleinen Christen dort auch aus N├Ąchstenliebe, denn jeder denkende Mensch erkennt das Elend in Deutschland inzwischen, jeder wei├č das es hier hungernde Menschen gibt, Menschen die sowenig Rente bekommen, das sie sich davon nicht ern├Ąhren k├Ânnen, die von den Argen sanktioniert werden, und sich deswegen ihr t├Ąglich Brot nicht mehr leisten k├Ânnen, allerdings haben sich die Kirchen dem Kapitalismus immer mehr untergeordnet, denn ihr Aufschrei gegen die immer mehr um sich greifende Armut ist kaum zu h├Âren.

Ich habe einige Menschen die Tafelkunden sind oder waren, oder auch dort mitgearbeitet haben nach ihren Erfahrungen gefragt, und diese sind sehr unterschiedlich.

Einig sind sich alle im Bewusstsein dar├╝ber, das dort M├╝ll raus gegeben wird, Lebensmittel die keiner mehr wollte, die runtergesetzt wurden, deren MHD l├Ąngstens abgelaufen ist, teilweise ├╝ber ein Jahr, und sie selbst nur diejenigen sind, die sich dar├╝ber freuen d├╝rfen, das sie den M├╝ll dieser Wohlstandsgesellschaft essen d├╝rfen, und nicht direkt im M├╝lleimer w├╝hlen m├╝ssen. Zur Tafel zu gehen ist peinlich f├╝r einen Menschen, der jahrelang gearbeitet hat, der Kinder erzogen hat oder es gerade tut, der 40 Stunden arbeiten geht, und zuwenig verdient um davon leben zu k├Ânnen. Es ist menschenverachtend das unsere Politiker uns so was zumuten, in einem reichen Land, das Geld f├╝r alle L├Ąnder dieser Welt hat, alle Banken dieser Welt retten kann und den eigenen B├╝rgern zumutet den M├╝ll zu fressen, und sich darauf zu verlassen, das er eine gute Tafel in seiner Gegend hat, denn die Tafeln sind regional sehr unterschiedlich, und jeder darf nat├╝rlich nur zu der Tafel, die in seiner Region ist.

Es gibt richtig gute Tafeln, die ihre ÔÇ×KundenÔÇť gut behandeln, es gibt dort viel Gem├╝se und Obst, K├Ąse, Wurst, Brot, das zwar alles nicht mehr frisch ist, aber zumindest die Grenze des Zumutbaren noch nicht ├╝berschritten hat, dort werden die Menschen w├╝rdig behandelt, sie d├╝rfen sich aussuchen, was sie m├Âchten und was nicht.

Dann gibtÔÇÖs aber auch die schlechten Tafeln, bei denen die Menschen wie Dreck behandelt werden, und die Verantwortlichen die Lebensmittel die sie erhalten f├╝r sich selbst einkassieren. In den Kisten der Kunden landet Dreck, Wurst die wieder lebt, und Gem├╝se das davon schwimmt, hartes Brot das keiner mehr essen kann ÔÇŽ Ware also die v├Âllig ungenie├čbar ist, und von der sich keiner ern├Ąhren kann. Die Mitarbeiter dort, Ehrenamtliche wie auch Ein Euro Jobber werden wie Sklaven behandelt und ausgenutzt, und erhalten nat├╝rlich nichts, was sie f├╝r sich selbst mitnehmen k├Ânnen. Da die Tafeln als Tr├Ąger von Ein Euro Jobs dar├╝ber auch Bewertungen schreiben, die an die Argen gehen, kommt es auch ├Âfter vor, dass ein Arbeitsloser durch diese Bewertung nochmals sanktioniert wird, und noch mehr hungern muss, was nat├╝rlich dann auch teilweise zu Erpressungen von gewissen Herren vor allem gegen├╝ber Frauen f├╝hrt. Da es hier keinerlei staatlichen Kontrollen gibt, ist dem Missbrauch und auch der Willk├╝r nat├╝rlich T├╝r und Tor ge├Âffnet.

Bei meiner Umfrage zu den Erfahrungen mit der Tafel kam folgendes Ergebnis raus:
ca. 60 % empfanden ihre Tafel gut, und als Hilfe in dem Bewusstsein, das sie unverk├Ąufliche Ware sehr billig bekamen.
ca. 40 % empfanden ihre Tafel als schlecht, bis sehr schlecht, teilweise hatten sie sogar Angst etwas ├Âffentlich zur ├Ârtlichen Tafel zu sagen.

Das eine solche Angst inzwischen in Deutschland besteht ist sehr traurig, und sollte dieses Land endlich aufwecken. Angst zu sch├╝ren sind die Methoden einer Diktatur, die Methoden von Unrechtsstaaten.

Schlecht bedeutet aber auch, das die Tafeln einfach nicht genug Lebensmittel f├╝r alle bed├╝rftigen haben, das Menschen abgewiesen werden m├╝ssen, das sie Lose ziehen m├╝ssen, das sie teilweise Stunden vor der unge├Âffneten Tafel anstehen m├╝ssen, um ├╝berhaupt die Chance zu erhalten was zu bekommen. Teilweise erhalten sie aber auch dann nur eine abgelaufene Wurst oder ein trockenes Brot, weil viel zu wenig da ist.
Das zeigt deutlich wie gro├č die Zahl derer die aufgrund ihrer Armut Hunger leiden m├╝ssen inzwischen ist. Es sind teilweise nachkriegs├Ąhnliche Zust├Ąnde, zur Tafel kommen teilweise Menschen die seit Tagen nichts mehr gegessen haben, und denen der Hunger im Gesicht anzusehen ist.

Zu den Tafelkunden gibt es nat├╝rlich auch einiges zu sagen, da gabÔÇÖs auch einige Erfahrungsberichte, die ganz interessant sind.
Die meisten Menschen sch├Ąmen sich zur Tafel zu gehen, da man dort vor den jeweiligen L├Ąden/Ausgabestellen oft lange anstehen muss und gesehen wird, es ist den meisten sehr peinlich dort gesehen zu werden, und damit zuzugeben, das man Hunger hat, und sich sein Essen nicht mehr leisten kann. Die meisten nehmen die Lebensmittel auch sehr dankbar an, und freuen sich vor allem ├╝ber Gem├╝se und Obst, das im Gesch├Ąft immer teurer wird. Was es von der Tafel gibt, wird meistens dann daheim sofort verarbeitet und eingefroren, denn generell muss es mindestens f├╝r eine Woche reichen, und keiner wei├č, ob es n├Ąchste Woche etwas geben wird, da alles ├╝ber Spenden l├Ąuft, und nichts eingekauft wird.

Es gibt allerdings auch einige wenige andere, die offenbar den Sinn der Tafeln nicht verstanden haben, und die anstelle die Lebensmittel abzulehnen die sie nicht m├Âchten, diese nach dem Tafelbesuch einfach wegwerfen. Diese wenigen haben offenbar genug, und sollten daher nicht zur Tafel gehen, wo viele Menschen anstehen, die Hunger haben, denn die bekommen wegen solchen dann weniger oder gar nichts.

Immer mehr Menschen in unserem reichen Land sind arm, die Medien berichten von 10 ÔÇô 20 % der Bev├Âlkerung, genaue Zahlen sind nirgends zu finden, auch darf hier keiner arm genannt werden, sondern nur armutsgef├Ąhrdet, da angeblich noch keiner verhungert ist, die Realit├Ąt sieht allerdings anders aus.
Es gibt viele die Hunger leiden, und es gibt auch bereits Tote durch den Hunger, denn verhungern geht ganz langsamÔÇŽ erst fehlen die Vitamine.. dann kommen die MangelerscheinungenÔÇŽ und dann gehtÔÇÖs langsam abw├Ąrts. Es gibt Berichte, wo bereits Grundschulkinder hungrig in die Schule kommen, weil daheim der K├╝hlschrank leer ist, w├Ąhrend die einen Kinder die Schult├╝te mit teuren Waren gef├╝llt bekommen, erhalten die anderen Kinder ihre Schult├╝ten schon von der Tafel, weil es sich die Eltern nicht mehr leisten k├Ânnen. 40 % der allein erziehenden M├╝tter sind arm und leben von H4, das hei├čt im Umkehrschluss dass auch 40 % dieser Kinder bereits arm sind, und damit chancenlos in diesem Land.

Und es gibt auch noch viele Menschen, die gar nicht in diese Statisken rein fallen, bei denen die Armut gez├Ąhlt wird, denn diese sind nirgends mehr gemeldet. Menschen, deren Partner laut Arge ÔÇ×zuvielÔÇť verdient, und daher mit dem Partner eine Bedarfsgemeinschaft darstellen und keinerlei Geld vom Staat erhalten, nichtmal eine Krankenversicherung.
Oder auch Menschen, die sich aus Scham oder auch Stolz nicht bei den Argen melden, und aus den M├╝lltonnen leben und drau├čen ├╝bernachten, wo sie Nacht f├╝r Nacht von der Polizei verjagt werden.
Diese erhalten nat├╝rlich auch nichts bei der Tafel, denn dort gibtÔÇÖs nur was, wenn man schriftlich vorweisen kann, das man nichts besitzt, nur wenn man eben wirklich gar nichts mehr besitzt, dann kann man das auch nicht nachweisen.

Das ist die Realit├Ąt in unserem sch├Ânen reichen Land, in dem Geld f├╝r alles da ist, nur nicht nur f├╝r die Menschen.
Hier leiden t├Ąglich mehr Menschen unter Hunger, unter Obdachlosigkeit, was meistens durch die Gesetzgebung und die Argen verursacht wurde.
Eine Gesetzgebung die eines Rechtsstaates nicht w├╝rdig ist, die Argen sanktionieren Menschen, das hei├čt sie halten ihnen ihr notwendiges Geld zum ├╝berleben vor. Eine Sanktion wird ausgesprochen, und die Argen entscheiden was Recht und Gesetz ist, was Beweise sind und was nicht, keine Polizei, kein Richter wird befragt, nein, ein ehemaliger Postangestellter entscheidet dar├╝ber, und das ganze nennt sich dann Rechtstaat!
Ein Land, in dem Willk├╝r dar├╝ber entscheidet, ob ein Mensch etwas zu essen bekommt oder nicht, kann kein Rechtsstaat sein!

Wann f├Ąllt die Mauer?

Die Mauer aus Steinen ist gefallen, aber wann f├Ąllt die Mauer aus Geldscheinen?
Die Mauer die als Sichtschutz dient, um die Millionen armer Menschen in unserem Land nicht zu sehen, um den Hunger nicht zu sehen, um die Willk├╝r der Argen nicht zu sehen, um sich weiter einzureden, wie gut sich dieses Land um die Menschen k├╝mmert, wie sicher der eigene Job doch ist, wie bildungsferne Schichten ihre Kinder nicht erziehen k├Ânnen, wie alle selbst schuld sind.

Ein Sichtsschutz der einfach blind macht, Millionen von Menschen sind in diesem Land arm, Millionen von Menschen k├Ânnen nicht alle faul, dumm und selbst schuld sein, das sollte jedem einleuchten, der kurz mal seinen gesunden Menschenverstand verwendet.

Die Mauer im Unrechtsstaat DDR ist durch den Zusammenhalt des Volkes gefallen, wann h├Ąlt unser Volk in diesem Unrechtsstaat endlich zusammen und rei├čt die Mauer ein?